Qi mit Sandi Toksvig

Letzte Woche ist endlich die neue Staffel von Qi angelaufen. Die erste Staffel nach dem Abgang von Stephen Fry. Viele Fans befürchteten, dass die Sendung ohne ihn nicht mehr funktionieren würde. Nicht zuletzt fehlt ohne ihn Alan Davies der geniale Widerpart. Die wechselseitigen Kabbeleien waren, neben den interessanten Fakten und lustigen Gästen, der Hauptgrund für den großen Erfolg der Sendung.

Alle Befürchtungen waren umsonst, denn auch mit der neuen Gastgeberin Sandi Toksvig ist Qi so amüsant wie zuvor. Die Mechanik der Sendung hat sich gleichwohl ein wenig verändert – nur zum Besseren, wie ich finde. Davies muss ihr und den anderen Gästen gegenüber nicht immer nur den Deppen geben. Statt der Oberlehrer-Störenfried-Schiene zwischen Fry und Davies fährt Qi auch auf der etwas mütterlich-herzlichen Schiene zwischen Sandi und Alan sehr gut. Das war schon in dieser ersten Folge der N-Staffel zu erkennen, und das obwohl das restliche Panel eher nicht zu den Stärksten gehörte.

Ich weiß nicht, ob ich es mir nur einbilde oder ob es tatsächlich der Realität entspricht: Ich hatte den Eindruck, die Beteiligten – insbesondere Alan – haben wieder Spaß an der Sache. Der durch den vollen Terminplan Frys entstandene Produktionsdruck, unter dem die Sendung in den letzten Staffeln gelitten hatte, ist jedenfalls abgefallen. Qi bleibt eine intelligente und amüsante Unterhaltungssendung. Warum läuft so etwas nicht auch im deutschen Fernsehen?

Links am Tag des Herrn – 05.06.2016

Die Links am Tag des Herrn stehen diese Woche vielleicht unter dem Motto Sprache. Wie sprechen wir miteinander über große Themen? Wo kann uns die Anmut schöner Sprache zu Hilfe eilen? Und wo ist es wichtig, Einspruch einzulegen?


Debatte

Lutherische Kirche in Lettland schafft Frauenordination ab – Kritik von deutschen Lutheranern (evangelisch.de)
Das kirchenpolitische Aufregerthema der Woche war die nun auch offizielle Abschaffung der Frauenordination in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands. Dagegen wurde in Deutschland und auch vor Ort zu Recht protestiert. Ein Grußwort der Nordkirche, das Kritik am Verbot beinhaltete, durfte nicht verlesen werden. Unwürdige Zustände sind das.

„Wir wollen nicht zweitrangig am Altar sein!“ – Zur Situation lettischer Theologinnen (Pfälzisches Pfarrerblatt)
Für alle, die wie ich die Situation in Lettland nicht permanent vor Augen haben, ist dieser kurze Text über die Situation von Theologinnen dort und in der Auslandskirche sehr interessant. Jenseits einer fragwürdigen Haltung gegenüber dem Bibeltext und der Sturheit des männlichen Establishments scheint es wohl noch ein drittes Problem zu geben: Unterstützt wird die Lettische Kirche und ihr Predigerseminar von einer lutherischen Kirche aus den USA, die ebenfalls keine Frauenordination betreibt. Kritik aus Deutschland verfängt wohl auch in Zukunft nur in dem Maße, in dem wir bereit sind, auch finanziell mitzuwirken.

Fluchtursachen bekämpfen – aber wie? Zur Legitimität militärischer Gewaltanwendung. (Heinrich Bedford-Strohm, Facebook)
Der Ratsvorsitzende spricht vor den bayrischen Bundestagsabgeordneten, das Manuskript dazu hat er auf Facebook veröffentlicht, wo es auch schon reichlich diskutiert wird. Der Text ist als Einstieg in eine Diskussion auch sehr fein, weil Bedford-Strohm erst einmal neutral die gängigen christlichen „Perspektiven“ schildert, um dann die Maßstäbe des gerechten Krieges aus der Mottenkiste zu holen und unsere vielfältigen Meinungen bzgl. des Syrienkriegs an ihnen misst. Das ist nicht nur interessant zu lesen, sondern im besten Sinne vorzeigbar, will man einmal Kirchenfernen erläutern, was denn nun „die evangelische Sicht“ der Dinge ist.

Warum der Islam zu Deutschland gehört (TheoPop)
In aller Kürze auf den Punkt gebracht: „Deshalb sind Forderungen wie „Religion gehört nicht in die Öffentlichkeit, sie muss privat bleiben“ ebenso hanebüchen. Denn da liegt ein grobes Missverständnis vor. Ich kann doch nicht plötzlich als ungläubiger Mensch agieren oder Entscheidungen treffen, nur weil ich mein Haus verlasse. Nein – wer Religionsfreiheit fordert, der muss auch zulassen, dass Christen Christen sein dürfen, Muslime Muslime und Atheisten Atheisten. Und das heißt: Nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern als Menschen in allen Lebensbereichen. Alles andere hieße, den Menschen einem Teil seiner Identität zu berauben.“ Das Abtrennen im Stile von „Muslime ja, Islam nein“ stößt mir auch immer wieder auf. Klingt für mich verdächtig nach der alten christlichen Parole „Sünder ja, Sünde nein“. Ist eine andere Religionszugehörigkeit (immer noch) Sünde?

Randständiges

Gängige Sprachkritik und spannende Biografie: Erik Flügge, Der Jargon der Betroffenheit (Kirchengeschichten)
Da hat einer ein Buch geschrieben, ein Kirchenferner. Der junge Mann heißt Erik Flügge (@erik_fluegge) und schreibt über Kirchensprache. Das Thema interessiert mich ja sehr und deshalb hab ich das Buch gleich mal bestellt, um selbst nachzulesen. Hier erstmal die Rezension aus den Kirchengeschichten: „Bei vielem von dem, was Flügge beschreibt, finde ich mich wieder: Im Klagen über die olle Rose von Jericho (33ff.). Oder über das Existieren am Rand der Kirche: „Ich bin kirchenfern – so fern man nur sein kann, denn Kirche hat Menschen, die so leben wie ich, schon lange aufgegeben. […] Nur eine Sache kann ich Ihnen beim besten Willen nicht beantworten: Warum ich mich mit Gott und seiner Kirche beschäftige, obwohl sie Menschen wie mich schon längst aufgegeben hat.“ (18). Oder in der simplen Feststellung: „Wenn man mit euch ein Bier trinkt, dann klingt ihr ganz normal. Sobald ihr für eure Kirche sprecht, klingt’s plötzlich scheiße.“ (8)“

Vitale Kriseninfrastruktur – Warum die großen Kirchen unverzichtbar sind (Erik Flügge)
Von eben diesem jungen, sich selbst als kirchenfern beschreibenden, Autor stammt dieser Blogbeitrag über die Kirchen und ihren Wert in Krisensituationen. „Wenn plötzlich tausende Menschen mit Tod und Trauer konfrontiert sind, dann gibt es nur zwei Institutionen, die das auffangen können: Die viel gescholtene Evangelische Kirche und die noch mehr gescholtene Katholische Kirche. In beiden Kirchen gibt es eine große Anzahl von Menschen, die sich emphatisch um Trauernde kümmern. Menschen, die sich die Zeit nehmen, die gebraucht wird, anstatt fort zu eilen. Gleichzeitig haben beide Kirchen den Willen in Krisensituationen schnell und unkompliziert zu handeln. Sie stellen alles hinten an, wenn ihre seelsorgerische Kraft gebraucht wird.“ Es gibt ja auch einen Wert der Krise, nämlich die Erkenntnis darüber, was wirklich wichtig ist.

Wie lebt es sich im Matriarchat? (n-tv)
Stichwort: Feminisierung der Kirche (s. letzte Links am Tag des Herrn) „Die [Männer] brauchen keine Machtkämpfe, eben weil matriarchale Gesellschaften genau auf die Balance und die Egalität der Geschlechter achten. Matriarchate werden ja meist mit Frauenherrschaft verwechselt. Das ist aber völliger Unfug. Diese Stereotype „Dann geht es den Männern schlecht“, „Dann müssen die revoltieren“ und ähnliches Zeug, sind nichts als Vorurteile aus unseren westlichen Köpfen. Die Männer dort müssen nicht in die Frauensphäre eindringen und die Frauen nicht in die Männersphäre. Das würde man als nicht in Ordnung betrachten, weil jedes Geschlecht seinen eigenen Machtbereich hat.“ (via Herzdamengeschichten)

Die Armen (Read on my dear, read on.)
So isses, leider. „Dankbar sollen die Armen sein, auf jeden Fall aber bescheiden. Forderungen sollen die Armen nicht stellen. Wir wissen es doch besser. Weit weg sollen die Armen wohnen, in Vierteln die uns nichts anzugehen brauchen. Adrett und höflich sollen die Armen sein und nicht etwa lauthals in Bahnen und Bussen grölen, oder gar uns auffordern Platz zu machen. Überhaupt, warum müssen die Armen immer in Gruppen auftreten? Still sollen die Armen sein.“

Bibel

Reinkarnation im Neuen Testament? (Auslegungssache)
Kurzer exegetischer Durchritt zum Thema Wiedergeburt im NT (und darüber hinaus). Informativ und lesenswert.

Predigt

Der Ort der Freiheit – Die Segnung der Kinder (Mk 10, 13-16)
Am 1. Juni war Kindertag. Zeit, wieder einmal die Predigt über die Segnung der Kinder aus dem homiletischen Seminar rauszukramen. Es geht darin vor allem darum, der kirchlichen Standardverkündigung (Vertraue mir …) ein anderes Bild vom Kind und Erwachsenwerden entgegenzusetzen.

Ein schöner Satz

Kirche muss nicht neutral sein, Kirche muss Haltung zeigen.
– Katrin Göring-Eckardt, von hier

Links am Tag des Herrn – 29.05.2016

Die Links am Tag des Herrn fallen diese Woche ein wenig kürzer aus, wir sind auf einem verlängerten Wochenende in der Heimat der gesetzlich Angetrauten und das Wetter ist schön.


Debatte

Die frohe Botschafterin (SZ-Magazin, Blendle-Link)
Ausführliches und empathisches Porträt der ehemaligen Ratsvorsitzenden und heutigen Reformationsbotschafterin. Absolute Leseempfehlung, irgendwann gibt es den auch kostenlos, aber man kann bei diesem Anlass auch mal Blendle ausprobieren. Blendle habe ich in den letzten Monaten schätzen gelernt. Ich lese dort zwar bei weitem nicht täglich, manchmal nur ein, zwei Mal im Monat – aber man kommt für einen angemessenen Preis und ohne technisches Bohei an Artikel, die sonst hinter Paywalls verkümmern.

You Say “Feminine” Like It’s A Bad Thing (Steel Magnificat)
In diesem englischsprachigen Text geht es im weitesten Sinne um die „Feminisierung der Kirche“, was das auch immer bedeuten soll?! Und vor allem: warum sollte das etwas Schlechtes sein? „The word “feminine” usually means one of three things. It can mean “female,” “like a female,” or “like a woman would be, if she were a good woman.” Are any of those bad things? If a person, animal or plant is female, is that bad? The ancient Greeks thought of females as defective males, but that’s not at all a part of Catholic teaching.“

Über Nationalsozialismus sprechen – Ein Verkomplizierungsversuch (Merkur)
Eine etwas holprige Lektüre, vor allem, wenn man wie ich an dem zur Sprache kommenden Heidegger-Kongress nicht teilgenommen hat. Mit ein wenig Geduld kommt man aber an Heidegger-Memorabilia vorbei und kann sich gemeinsam mit dem Autor darüber unterhalten, wie der Begriff „Nationalsozialismus“ heute so zu verstehen ist, dass er mit der Realität übereinstimmt. Sehr interessant und bildend. (Diesen Artikel kann man noch eine Weile gratis lesen.)

Randständiges

Die Gute Nachricht vom Scheitern oder: aus Lust und Liebe leben (ZWISCHENRAUM)
Ein lesenswerter und in den letzten Wochen in meiner Filterblase auch gut herumgekommener Text. Ich finde vor allem die am Schluss formulierten kritischen Fragen an Luther bedenkenswert. Hier nur mein persönlicher „Skopus“: „In der Tat kann man “mehr und immer noch mehr tun”, aber nur insofern man es nicht MUSS; insofern man damit nicht einfach nur den eigenen Mangel kompensieren will. Insofern man durch sein Tun vor allem sich selbst erlösen will.“

Bibel

What’s Mission? Ask Jesus (Howard Snyder, Seedbed)
Ein kleiner Durchgang zum Thema „Mission“ vor allem durch das Johannesevangelium. Mit klaren 1,2,3 … Abzweckungen, die typisch sind für amerikanische Blogs. „Three other prominent terms in John relating to Jesus’ mission are will, work, and works. A dozen or so times Jesus speaks of the “work” or “works” of God that he was sent to accomplish, and several times of doing the Father’s “will.” Jesus says in John 9:4, “We must work the works of him who sent me while it is day; night is coming when no one can work.”“

Predigt

In the Belly of the Whale. Jona-Predigt (FrauAuge)
Ich bin wirklich ein Fan von Birgit Mattausch, alias Frau Auge. Ich kann ja überhaupt nicht so predigen, deshalb gefällt mir ihr Sprachspiel ganz besonders. „The Belly of the Whale. Der Bauch des Wales. Das ist der Anderort. Und Jona ist der Held auf der Reise durch die Unterwelt. Er reist allein. Odysseus hatte Gefährten. Harry hat Ron und Hermine. Selbst Pipi hat Tommi und Annika. Jona fällt allein. Und wird allein verschluckt.“

Ein schöner Satz

Zu Hause habe ich alle Türen immer offen.
– von hier

Links am Tag des Herrn – 22.05.2016

Herzlich Willkommen zu den Links am Tag des Herrn! Wenn Du sonst keinen der Texte liest, die ich hier verlinke, dann lies doch unbedingt diesen hier, er ist eine Quelle der Freude: Was ich noch sagen wollte und schon mal gesagt habe (Studio Glumm)

Debatte

Das Kirchenmitglied – das unbekannte Wesen (MDR Kultur)
Hörenswerter und kurzer (!) Radiobeitrag von Michael Hollenbach auf MDR Kultur (war mal MDR Figaro, aus unerfindlichen Gründen hat man sich vor Kurzem von dieser wunderbaren Marke getrennt – hat wohl was mit der Digitalisierung des Radios zu tun). „Den Kirchen laufen die Mitglieder weg. Und auch die, die offiziell noch dabei sind, gehen oft auf Distanz.“ Ob das alles so stimmt, ist sicher der Diskussion wert.

Die Islamisierung fällt aus (Natur des Glaubens)
Michael Blume erklärt auf seinem Blog warum die Islamisierung ausfällt. Wie immer sehr interessanter Zugang und in der aktuellen Debatte eine fast unverzichtbare Lektüre.

Die Sache mit wlan in Deutschland, der Kirche und dem Versagen von allen relevanten Entscheidern (Familie in Hamburg, vereinzelte Berlin Nostalgie Blog)
Guck mal einer an! „Gestern tauchte in meinem Internet folgende Meldung auf: Kirchtürme zu WLAN-Antennen: Evangelische Kirche will 3000 offene Hotspots einrichten. Mein erster Gedanke war „Toll, endlich passiert in Berlin mal was“. Jetzt, einen Tag später, rege ich mich wahnsinnig auf. Aber hallo. Nicht über die Kirche oder das WLAN, aber über die Sache an sich. Denn die Kirche ist von allen bekannten Institutionen hierzulande wahrscheinlich die, die sich mit Abstand am langsamsten bewegt und ändert. Ist polemisch, klar, aber 2000 Jahre Geschichte im Nacken machen eher unflexibel. Und ausgerechnet die Kirche, dieser massive, riesige, komplizierte Tanker mit all seinen Prozessen und Entscheidungen, die größtenteils unlogisch sind, ausgerechnet die wollen in Berlin großflächig freies wlan machen. Wtf?“ (via Herzdamengeschichten)

Der Gartennazi (Ackerbau in Pankow)
Den Gartennazi gibt es in jeder Diskussion. „Wer mehr trinkt als man selbst, ist ein Säufer, wer weniger trinkt, eine Spaßbremse. Wer sich weniger bewegt als man selbst, ist eine faule Sau, wer mehr macht, übertreibt es ja wohl ziemlich mit dem Sport. Was für ein Glück, dass es irgendein Zufall so gefügt hat, dass man selbst das Maß aller Dinge ist!“ (via kiezneurotiker)

Randständiges

Einhörner in Geschichte und Gegenwart (theologiestudierende.de)
Sehr interessanter und unterhaltsamer Text über das Einhorn und seine wechselnden Deutungen und aktuelle Mode. „Einhörner haben Hochkonjunktur: ob als Emoji, verkitschtes Bild mit inspirierender Weisheit, als fluffige Hauspuschen oder als augenzwinkernde Lebenseinstellung: Always be yourself – unless you can be a unicorn. Then always be a unicorn! […] Einhörner gehen immer und für jeden. Sie sind schon lange nicht mehr bloß in den Kinderzimmern dieser Welt zu finden oder als Statisten romantisierter Weltfluchtsträume von Pferdenarren oder Liebhabern des Phantastischen.“

Flieg (SEBASTI ANTS – my playing arts)
Sehr feine Kunst im sakralen Raum. Im Museum abgeguckt und man kann nur hoffen, dass sich da andere Gemeinden ein Beispiel dran nehmen. (via @FrauAuge)

[i carry your heart with me (i carry it in) ] (E. E. Cummings, COOL PAINS)
Als Psalm zu lesen.
Der ganze Blog ist eine einzige Fundgrube des Schönen und Nachdenkenswerten.

Predigt

Vom Hausbau. 44 Möglichkeiten (Zwischengerufen)
Eine Predigt vom Predigtslam in Wittenberg. In der Kürze …

Ein schöner Satz

Es ist schwer, auf etwas so Stilles wie die eigene Moral zu hören.
– Sibylle Berg (hier gesagt)

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